Bunraku

Japanisches Puppen-Erzähl-Drama

Bunraku ist eine Puppenspielkunst, die auf eine 400 Jahre alte Tradition zurückblicken kann. Der Name geht auf einen Puppenspieler namens Bunraku-Ken zurück, der von der Insel Awaji stammte. Er entwickelte diese Kunst zur sogenannten "Drei-Mann-Technik" und etablierte sie in Osaka. Der ursprüngliche Name lautet "ningyô-jôruri" (Puppen-Erzähl-Drama) und weist auf die drei Komponenten dieser Kunst hin: das Puppenspiel, den Gesang und die Musikbegleitung. "Sanmi ittai" ist der japanische Ausdruck für die besondere Ästhetik der Aufführungen und bedeutet: drei Genüsse vereint in einem, drei Künste vereint in einer.

Auf einer langen Bühne agieren Puppen in 80 cm Höhe. Sie haben in etwa die Größe eines Kindes. Die Awaji-Puppen, deren Führungstechnik ich lernte, sind etwas größer und schwerer als ihre Verwandten aus dem Bunraku-Theater. Sie haben einen abnehmbaren Kopf, einen aus Gewichtsgründen vorgetäuschten Körper und ein meist prachtvolles Kostüm. Der Kopf (kashira) ist ein Kunstwerk für sich: Einige haben bewegliche Augen, Mund und Augenbrauen, die eine Vielzahl von Ausdrucksmöglickeiten bieten.Die meisten haben Füße, Frauen nicht, da sie lange Kimonos tragen (ihr Trippeln wird nur angedeutet). Drei Puppenspieler (kuroko) führen eine einzige Puppe: der erste, der Meister, den Kopf und die rechte Hand, der zweite die linke Hand und der dritte die Füße. Sie sind schwarzgekleidet und maskiert mit Ausnahme des Meisters gehüllt in prächtige Kostüme, manchmal mehrere übereinander, die er bei Verwandlungen der Puppen zeitgleich mit der Puppe abwirft.

Teilweise stehen bis zu zwölf sichtbare Personen auf der Bühne, die man im Laufe der Aufführung durch den Zauber der Bewegungen vollkommen vergißt.

Die Spieler sprechen nicht selbst ihre Rollen. Der dramatische Text (Joruri) wird von einem oder mehreren Gidayu-Sängern in der Art unserer mittelalterlichen Minnelieder erzählt und gesungen. Sie stellen alle Charaktere und Rollen des Dramas dar. Es können mehr als fünfzehn verschiedene Rollen jedes Alters und Geschlechts im gleichen Stück vorkommen. Wenn die Spieler keinerlei Emotionen zeigen können oder dürfen, sind an der Mimik des Gidayu-Sängers, an seinen Stimmvariationen und an seiner Interpretation, sämtliche Gefühle des Dramas abzulesen.

Ihr Repertoire ist überwältigend: vom schallenden Lachen bis zum hysterischen verzweifelten Weinen der Mutter, deren Tochter versehentlich vom eigenen Vater getötet wurde. Begleitet und zugleich dirigiert wird der Gesang von einem Shamisen (Langhalslaute). Andere Musikinstrumente kommen zwar vor: das Koto ("die liegende japanische Harfe", Sansyusya - Wörterbuch der deutschen und japanischen Sprache), Tamburine, Klanghölzer, aber das Shamisen bleibt das Hauptinstrument. Der Shamisen-Spieler setzt dramatische Höhepunkte in der Erzählung durch einen kräftigen Schlag gegen den Resonanzkörper seiner Laute oder durch einen kurzen tiefen Laut. Es kommt einem wie eine Mahnung oder einen Ansporn an den Erzähler vor, der sich in der Fülle der Emotionen leicht verlieren könnte.

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Théâtre Anima / Muriel Camus

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